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#91 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Michael Stöcker 14.06.2018 13:24

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Zitat
Nein, seine Bücher dazu sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen und seine Thesen längst widerlegt.


Nee, nee, lieber Rauschi, da ist so gut wie nichts widerlegt. Einfach mal beim unverdächtigen Dohnanyi vorbeischauen.

LG Michael Stöcker

#92 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Rauschi 14.06.2018 13:39

Also, seine Grundthese lautet:
[Er ist der Auffassung - und begründet das sehr ausführlich -, dass Deutschland Gefahr läuft, seine geistigen Eliten einzuschmelzen, weil diese selbst zu wenige Kinder bekommen, während Gruppen, die sich bisher nicht durch Arbeit und Leistung hervorgetan haben (manche Deutsche oder Teile von Migranten) mehr Kinder bekommen und so das Leistungsniveau der Nation langfristig absenken könnten.]

Weil was? Intelligenz vererbt wird? Als gäbe es keine Gauss Normalverteilung mehr, wenn das so kommt? O doch, das ist mittlerweile sehr wohl widerlegt.
Wenn das Schulsystem allerdings so sozial selektiv bleibt, dann haben wir wirklich ein Problem, das hängt aber keineswegs mit "Kopftuchmädchen" zusammen.

[Sarrazins Behauptung, dass es besondere, kulturelle Eigenschaften von Volksgruppen gibt, kann heute niemand mehr mit Sachkenntnis bestreiten.]
Das bestreite ja auch niemand, nur was soll das beweisen, das auch die kulturelle Eigenschaften in der DNA stecken, oder was? Es kommt doch wohl darauf an, wie sich die Menschen hier integrieren können und nicht, woher sie kommen.

In dem Artikel sind auch von zu viele "Könnte" versteckt, das ist nun faktisch unwissenschaftlich. Niemand kann beweisen, das etwas nicht sein könnte, die These lässt sich also nicht widerlegen und damit nicht falsifizierbar.

Gruss Rauschi

#93 RE: zu #13: Dreiste Eigenwerbung des Herrn Jörg Buschbeck hier im Forum von 14.06.2018 15:26

Zitat:
"Jetzt wo auch bei uns die Gullideckel beim "Regen im Stück" schon durch die Luft wirbeln, dürfen auch bisherige Ignoranten der Klimakatastrophe umdenken.

Synergiewende - die ökonomischen und ökologischen Probleme in einem Rutsch lösen!
http://www.synergiewende.com";


Klickt man nun auf von ihm eingefügten Link öffnet sich die Seite https://smart-solarhome.de/synergiewende, wo man u.a. Seminare für 85 Euro kaufen kann. Und hier ist das Impressum:
"Impressum (Angaben gemäß § 5 TMG)

Synergetiker GmbH
Uferstraße 12
09573 Augustusburg
E-Mail: info[at]synergetiker.de

Vertretungsberechtigter Geschäftsführer:
André Buschbeck

Eintragung im Handelsregister:
Handelsregister Chemnitz, HR B 24090

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß § 27 a Umsatzsteuergesetz:
DE 259156775

Verantwortlich für den Inhalt gemäß § 55 Abs. 2 RStV:
André Buschbeck"

Auf der Webseite erfährt man dann auch, wer Eigentümer des Musterhauses mit der identischen Adresse wie die Synergetiker GmbH ist: "Das Smart-Solarhome-Musterhauses ist das Elternhaus unseres Geschäftsführers." Jetzt kann man natürlich rätseln, wer denn die Eltern sein mögen. Hilfreich ist dabei das Impressum der auch im Internet vertretenen eco-modul GmbH:
"Impressum (Angaben gemäß § 5 TMG)

eco-modul GmbH
Uferstraße 5
09573 Augustusburg
Telefon: +49 037291 1770
Email: info(at)eco-modul.com

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Jörg Buschbeck

Eintragung im Handelsregister:
Handelsregister Chemnitz HR B 24090

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß §27 a Umsatzsteuergesetz:
DE 259156775

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Jörg Buschbeck"

Hier übrigens ein hübscher Artikel aus der Leipziger Volkszeitung über einen Teil der unternehmerischen Aktivitäten von Papa und Sohn. Jörg Buschbeck möchte also auch Holzfertighäuser für syrische Flüchtlinge bauen, die diese nach Ende des Krieges wieder mit zurück in ihre Heimat nehmen können. Mein Tipp, Herr Buschbeck: gründen Sie noch eine Immobilienfirma mit syrischem Tochterunternehmen, damit Sie den Flüchtlingen auch die passenden preiswerten und sonnigen Grundstücke für die Buschbeck-eco-modul-Holzhütten bereitstellen können, erst hier in Deutschland und dann in ein paar Jahren im Nachkriegssyrien. Und denken Sie bitte an die Infrastruktur! Bauen Sie die Moscheen gleich mit - natürlich ebenfalls zerleg- und transportierbar.

Eine nette Idee, wie ich finde, Internetforen, zu kostenloser familiärer Eigenwerbung zu benutzen. Nur leider ist sie nicht gesetzeskonform. Aber wer will schon so kleinlich sein und über Gesetze nachdenken, wenn allerorten die Gullydeckel durch die Luft fliegen? Mancher soll sogar schon einen an den Kopf bekommen haben.

#94 RE: zu #13: Dreiste Eigenwerbung des Herrn Jörg Buschbeck hier im Forum von Logos 14.06.2018 15:46

Richtig ist: es hat, vorsichtig gesagt, ein "Geschmäckle", wenn das eigene Unternehmen in Foren verlinkt wird.

Zitat von Gast im Beitrag #93
... mit syrischem Tochterunternehmen, damit Sie den Flüchtlingen ... Bauen Sie die Moscheen gleich mit

Syrier so pauschal und undifferenziert mit Moslems gleichzusetzen, das hat mehr als nur ein Geschmäckle, das hat zumindest Anklänge von "Rassismus".
Da erscheint mir, offen gestanden, der erste Sachverhalt harmloser.

Aber im gesamten Kontext würde mich mal ihre Haltung zur Energiewende interessieren: Äußern Sie sich doch bitte mal dazu. Gern auch mit Begründungen. Vielleicht kann ich noch etwas lernen.

#95 RE: zu #94: Rassismusvorwurf: Er hat Moschee gesagt. von 14.06.2018 16:37

In Syrien sind etwa drei Viertel der Bevölkerung sunnitische Muslime. Die Erwartung, dass bei insgesamt so vielen Flüchtlingen also auch ein Bedarf an gewissen Zahl an Moscheen besteht, ist wohl nicht von der Hand zu weisen, es sei denn, man ist bemüht, daraus einen Rassismusvorwurf zu konstruieren.

Sie wollen wissen, wie meine "Haltung" zur Energiewende ist und sagen, dass Sie das im "gesamten Kontext" interessieren würde. Zunächst mal danke für ihr Interesse an meiner Person. Wollen Sie noch mehr über meine Haltungen wissen? Dann könnte ich die Antworten vielleicht gleich bündeln. Aber vielleicht sind Sie so freundlich und erzählen erst mal von Ihrer Haltung zur Energiewende und was Sie oben mit "gesamten Kontext" meinen? Das wäre charmant, meinen Sie nicht auch? Nur ein Vorwurf und eine Frage sind ja sonst ein etwas plumper Gesprächseinstieg.

Beste Grüße

(Habe auch ein Diplom, falls das für Sie wichtig ist.)

#96 RE: zu #94: Rassismusvorwurf: Er hat Moschee gesagt. von Logos 14.06.2018 17:51

Zitat von Gast im Beitrag #95
In Syrien sind etwa drei Viertel der Bevölkerung sunnitische Muslime.

Dann halten wir also fest, dass nicht alle Syrer Muslime sind, auch wenn dies bei Ihnen so anklang.

Zitat von Gast im Beitrag #95
Sie wollen wissen, wie meine "Haltung" zur Energiewende ist und sagen, dass Sie das im "gesamten Kontext" interessieren würde. ...
Aber vielleicht sind Sie so freundlich und erzählen erst mal von Ihrer Haltung zur Energiewende und was Sie oben mit "gesamten Kontext" meinen?

Sie haben Recht: was ich mit "gesamten Kontext meinte" ist nicht klar. Gern bin ich so freundlich und führe das weiter aus:
Sie haben auf Buschbeck Bezug genommen, der wiederum die Klimakatastrophe und Energiewende thematisierte. Ihre diesbzgl. recht vagen Aussagen ließen für mich nicht klar werden, ob Sie sich nur gegen das Verhalten von Buschbeck oder auch die von jenem angesprochene Energiewende (dessen Unternehmen hier ohne Belang) aussprechen. Das war der Kontext.

Weil man Fragen üblicherweise nicht mit Gegenfragen "beantwortet" und ich Sie durch meine Ausführungen nicht beeinflussen möchte, sei Ihnen abermals der Vortritt der Ausführungen gelassen. Anschließend kann ich ad hoc auf meine Haltung [1] zur Energiewende durch einen Link auf einen von mir verfassten, ziemlich ausführlichen Artikel referenzieren.
[1] Welche wiederum unbeeinflusst von Ihren Ausführung bleibt, weil die Analyse ja schon veröffentlicht ist.

Zitat von Gast im Beitrag #95
Nur ein Vorwurf und eine Frage sind ja sonst ein etwas plumper Gesprächseinstieg.

Eine Verständnisnachfrage zu einem unklaren Kommentar ist ein ganz normaler, üblicher Einstieg.
Um der Sache Willen sowie weil ich so freundlich und charmant bin, gehe ich auf den "Vorwurf" ebensowenig weiter ein, wie den ihrigen des "plumpen".

Interessehalber: Diplom auf welchem Gebiet?

#97 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Michael Stöcker 14.06.2018 18:19

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@ Rauschi # 92

Sarrazin langweilt mich. Besser ist hier Egon Flaig. Gleiche Richtung aber auf einem ganz anderen intellektuellen Niveau und ohne €urophobie:



@ Gast # 93

Zitat
Eine nette Idee, wie ich finde, Internetforen, zu kostenloser familiärer Eigenwerbung zu benutzen. Nur leider ist sie nicht gesetzeskonform.


Den wenigsten Lesern war dies wohl bekannt, außer natürlich denjenigen, die hier und an anderer Stelle schon mit Herrn Buschbeck diskutiert haben. Dank Ihrer unnötigen Hinweise weiß es nun natürlich jeder. Aber selbst Ihre unfreiwillige Werbeaktion hat keine reale Wirkung, da Streukreis und Streugebiet in diesem Forum wohl gegen Null läuft (siehe: Wer ist Online?).

Und wer nach wirklichen Lösungen im Euro sucht, der sollte sich diesen Vortrag anschauen mit anschließender Diskussion:




LG Michael Stöcker

#98 RE: zu 95 und 97: Klimawandel, Energiewende, Buschbeck, Varoufakis von 15.06.2018 15:17

Die vom Diskutanten Logos hier eingenommene Position teile ich nicht. Wenn man der Energiewende etwas Positives abgewinnen will, dann muss man auf der Investorenseite stehen und vom EEG profitieren, wie es zum Beispiel der Gründer von SolarWorld getan hat, der wohl auch an der Schaffung der juristischen Voraussetzungen für sein Geschäftskonzept beteiligt war. Beim derzeitigen Stand der Technik, wo es an bezahlbaren Speichern fehlt, teile ich die Meinung von Warren Buffet: "I will do anything that is basically covered by the law to reduce Berkshire's tax rate. ... "For example, on wind energy, we get a tax credit if we build a lot of wind farms. That's the only reason to build them. They don't make sense without the tax credit." Und so investiert er eben mal schnell 3,5 Milliarden Dollar in Windturbinen, nachdem der Staat die Steuergutschriften verlängert hat. Klar, dass dann in der Begründung des Unternehmens noch etwas zu Luftverschmutzung und Kohlekraftwerken nachgeliefert wird.

Buschbeck liefert m.E. ein gutes Beispiel, wie die Dinge so laufen. Erst Panik machen (Klimawandel, Gullydeckel) und dann die eigenen Produkte verkaufen. Das ist das Muster. Kunden müssen selbst wissen, ob sie jemandem, der es mit der Ehrlichkeit bei der Werbung nicht so genau nimmt, vertrauen können? Meist hilf es, selbst zu denken.

Vorgestern wurden wir in nahezu allen Medien bombardiert von Meldungen über Eisschwund in der Antarktis, dramatischem Meeresspiegelanstieg, etc. Dass die betreffende Studie erhebliche Unsicherheiten aufweist, wie ein beteiligter Wissenschaftler zugab, wurde nicht in allen Medien kommuniziert, natürlich erst recht nicht, wie sich die tatsächlich gemessenen Pegelstände entwickeln. Dazu hier ein aktuelles Beispiel von Pegelmessungen über den Zeitraum voon100 Jahren. Man beachte den erklärenden Text in vorstehend verlinkter Quelle: "Eine Beschleunigung des Meeresspiegelanstieges in den letzten drei Dekaden, die signifikant von Beschleunigungsmustern früherer Perioden abweicht, lässt sich nicht feststellen. Der Lineartrend über die gesamte Analyseperiode von 01/1918 bis heute beläuft sich auf rund 20 cm/Jahrhundert und unterscheidet sich demnach nicht signifikant vom globalen Meeresspiegelanstieg."
Ich empfehle dazu auch diesen Beitrag eines international anerkannten Ozeanographen

Jeder kann sich nun selbst überlegen, ob die Eisschmelze in der Antarktis mit ihrer Durchschnittstemperatur minus 55 Grad Celsius unser Leben bedroht oder ob er auch weiter ruhig schlafen sollte?

Danke übrigens für die Videos mit Varoufakis. Ein nahezu genialer und sehr kreativer Mann. Die Idee mit den Food Stamps ist bestechend. Psychologisch würde das Millionen von Menschen der EU näher bringen. Sie hätten eine direkte und positive Verbindung mit der EU, ein Gefühl, dass den Menschen nicht ohne Grund inzwischen verloren gegangen ist. Seine Idee von der "Green Energy Union" allerdings teile ich nicht, weil ich sie für undurchführbar halte. Ich halte ebenfalls den - auch von Flassbeck - vertretenen Ansatz, Energierohstoffe zu verteuern, selbst wenn man noch keine preiswerten Alternativen hat oder haben will (Kernkraft) für extrem unsozial. Preiswerte Energie ist wichtig für nahezu alle Bereiche der Gesellschaft. Und wer heute Energie verteuern will, der sollte zu den zwischen 50 und 125 Millionen Menschen gehen, die laut EU heute schon aus ihre Wohnung nicht angemessen warm bekommen mit der Folge schwerer gesundheitlicher Auswirkungen (Das ist Energiearmut), ihnen in die Augen sehen und erklären, dass "Klimarettung" Priorität hat.

Ein besserer Grundgedanke scheint mir von einem US-Studienautor zu kommen, der sich mit "Strategischer Philantropie" in Klima- und Energiefragen beschäftigte (Hier die Studie) Er hat gesagt: "Um den atmosphärischen CO2-Anteil in der Atmosphäre zu stabilisieren, muss die globale Ökonomie von dem heutigen Anteil von etwa 15% Kohlenstoff-freier Energiequellen bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen Anteil von über 90% kommen. Das ist eine große Aufgabe. Ich habe schon immer argumentiert, dass der einzige Weg nicht darin besteht, fossile Energie so teuer zu machen, sondern dass wir uns Alternativen zuwenden müssen. Diese Alternativen müssen so billig gemacht werden, dass wir sie gegenüber fossiler Energie bevorzugen".
Dieser Ansatz gefällt mir wesentlich besser, als die üblichen Vorschläge, die darauf hinauslaufen, um mal ein Bild aus der Fliegerei zu benutzen, Fliegen so teuer so zu machen, bis jemand den fliegenden Teppich erfindet - was möglicherweise nie geschehen wird.

PS: Für Logos. Ich habe mal Ökonomie studiert mit der Spezialisierung auf Außenhandel. Abe das ist lange her. Heute könnte es sein, dass ich mich mit größeren Projekten der sogenannten Erneuerbaren Energien beschäftige, vielleicht auch nicht in Deutschland. Sie wissen schon, das geistige Fundament von Buffet. Und sorry, wenn ich hier schon Dinge über mich preisgebe, möchte ich besser anonym bleiben.

#99 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Dberndjt 15.06.2018 15:37

@Rauschi
Ich will auch Ihre Erwiderung #84 nicht wieder Punkt für Punkt eingehen, ich fürchte es gäben viele Wiederholungen meinerseits. Das bringt uns aber nichts . Nur soviel:
• Ich gehe davon aus, dass wir eine Lösung auf Basis der aktuellen Wirtschaftsordnung diskutieren wollen und dies auf die EU-27 und zwischen Ihnen anwenden wollen, richtig?.
• Ich denke, es sollte erlaubt sein, Dinge anzusprechen und vorzuschlagen, selbst wenn sie heute nicht politisch opportun sind, `wenn sie sinnvoll sind. Man muss dann aber Mitstreiter finden . Man kann auch Dinge defakto tun statt es zu sagen oder gar zu leugnen (Thema Finanzausgleich versus „Kredit“). Warum könnten Quoten pro Land nicht ein Hilfsmittel sein?
• In der Tat muss man bei den Definition aufpassen. Wenn in der Bildzeitung von wettbewerbsfähig die Rede ist, hat man sicher Kostensenkung/Lohnsenkung im Auge. Aber ich denke, dass in der VW-Lehre klar ist dass dies nicht alleine mit Kostensenkung generell erreichbar ist. Dazu gehört mehr.

Ich habe ansonsten noch mal nachgedacht, und verstehe die Argumentation von Flassbeck wohl besser – ohne dass ich sie inhaltlich teile und für zwingend halte. Ich vergesse auch mal die Seitenhiebe und Unterstellungen und Begründungen für die Ursachen bestimmter Entwicklungen, die er beschreibt. Ich beziehe mich auf seinen Vortrag unter https://www.youtube.com/watch?v=9bDWhBCi_AY).

1) Nur der Information halber würde ich gerne wissen, wie sich der HB-Überschuss D gegen die EU-27 seit Einführung des EURO entwickelt hat, möglichst pro Land. Ich habe eine solche Statistik nicht gefunden. Sie müsste natürlich berücksichtigen, dass die EU-28 nicht von Anfang an bestand und aus Drittländern EU-27 wurde.

2) Was sollte Deutschland jetzt tun, um diesen Überschuss von jetzt über 150 Mrd. zurück zu führen und gegenüber welchem Land zurückzufahren? Bis auf was? ("rechtswidriger Strafzoll" der EU-27

3) Akzeptieren wir im Falls 2 die zwangsläufig bei uns eintretende Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit?

4) Wie schaffen wir es, diese in D nach 3 entstandene Arbeitslosigkeit zu beseitigen und wie finanzieren wir das?.

5) Wie stellen wir sicher (mit welchem Vorschlag ) dass dies in der EU-27 ankommt, wo es hin soll? Wo konkret oder tendenziell könnte man Griechenland helfen z.B.?

6) Ist das Ziel, sozial ist, was Arbeit schafft, wie Flassbeck verstanden werden könnte oder wollen wir das magische Viereck (streitig pro Land/EU)

LG Dbernjt

#100 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Dberndjt 15.06.2018 15:38

...natürlich sind die anderen Mitleser gerne auch um Antwort gebeten.

#101 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Rauschi 15.06.2018 18:47

Zitat von Dberndjt im Beitrag #99

Ich gehe davon aus, dass wir eine Lösung auf Basis der aktuellen Wirtschaftsordnung diskutieren wollen und dies auf die EU-27 und zwischen Ihnen anwenden wollen, richtig?.

Das ist korrekt, mein Bestreben ist immer die möglichen Änderungen im System aufzuzeigen.

Zitat von Dberndjt im Beitrag #99
Ich denke, es sollte erlaubt sein, Dinge anzusprechen und vorzuschlagen, selbst wenn sie heute nicht politisch opportun sind, `wenn sie sinnvoll sind. Man muss dann aber Mitstreiter finden . Man kann auch Dinge defakto tun statt es zu sagen oder gar zu leugnen (Thema Finanzausgleich versus „Kredit“). Warum könnten Quoten pro Land nicht ein Hilfsmittel sein?

Siehe oben, ich bin überhaupt nicht dagegen, ich halte das nur nicht für politisch erwünscht. Wir können ja alles diskuteren, aber die Machtfrage ganz aus den Augen zu verlieren, halte ich nicht für sinnvoll.

Zitat von Dberndjt im Beitrag #99
Ich habe ansonsten noch mal nachgedacht, und verstehe die Argumentation von Flassbeck wohl besser – ohne dass ich sie inhaltlich teile und für zwingend halte. Ich vergesse auch mal die Seitenhiebe und Unterstellungen und Begründungen für die Ursachen bestimmter Entwicklungen, die er beschreibt. Ich beziehe mich auf seinen Vortrag unter https://www.youtube.com/watch?v=9bDWhBCi_AY)
.1) Nur der Information halber würde ich gerne wissen, wie sich der HB-Überschuss D gegen die EU-27 seit Einführung des EURO entwickelt hat, möglichst pro Land. Ich habe eine solche Statistik nicht gefunden. Sie müsste natürlich berücksichtigen, dass die EU-28 nicht von Anfang an bestand und aus Drittländern EU-27 wurde.

Ich habe da nichts gefunden, es geht auch nicht um die gesamte Eu, sondern nur um die Eurostaaten, das sind bislang erst 19. Für Eu und Eurozone seit 2007 eine Statistik hier:
https://de.statista.com/statistik/daten/...sbilanz-der-eu/
Ausserdem ist das zu kurz gesprungen, wenn Kunden ausserhalb der Eurozone für die anderen Länder weggefallen sind, spielt das für die Handelsbilanz die gleiche Rolle, wie innerhalb der EU.

Zitat von Dberndjt im Beitrag #99

2) Was sollte Deutschland jetzt tun, um diesen Überschuss von jetzt über 150 Mrd. zurück zu führen und gegenüber welchem Land zurückzufahren? Bis auf was? ("rechtswidriger Strafzoll" der EU-27

Das, was Flassbeck sagt, Löhne rauf. Obwohl ich persönlich denke, reine Lohnerhöhung ist zu wenig, da die Industrie in den betroffenen Ländern dadurch nicht wieder "lebendig" wird.

Zitat von Dberndjt im Beitrag #99

3) Akzeptieren wir im Falls 2 die zwangsläufig bei uns eintretende Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit?

Er schlägt ja eine eher sanfte Erhöhung über 10 jahre vor, sodass sich die jeweilige Industrie anpassen kann und neue Jobs entstehen können. Das Ziel ist ja, den Exportanteil der Wirtschaft auch wieder auf ein "normales" Mass zu senken. Was ist die Alternative, den anderen zu sagen, Ihr müsste auf Eurer Arbeitslosigkeit sitzen bleiben?

Zitat von Dberndjt im Beitrag #99

4) Wie schaffen wir es, diese in D nach 3 entstandene Arbeitslosigkeit zu beseitigen und wie finanzieren wir das?.

Neue Dienstleistungen, da wieder mehr Kaufkraft vorhanden und damit mehr nachgefragt werden kann. Wie wäre es mit Umwelttechniken, das ist sicher noch jede Mengen Luft drin. Muss nur am Anfang gefördert werden.
Das die tollen "Strukturmassnahmen" in allen Ländern nicht greifen, sollten wir uns diesen Weg ersparen, zumal wir das ja vorgemacht haben.


Zitat von Dberndjt im Beitrag #99
5) Wie stellen wir sicher (mit welchem Vorschlag ) dass dies in der EU-27 ankommt, wo es hin soll? Wo konkret oder tendenziell könnte man Griechenland helfen z.B.?

Das hatte ich auch geschrieben, über eine Wechselkursangleichung analog zur Handelsbilanz und innerhalb der EU über eine koordinierte Lohnpolitik.
Griechenland hilft nur ein Schuldenschnitt und massive Hilfe bei Aufbau einer industriellen Basis. Das Problem stellt sich auf für Luxemburg, die haben ausser Steuersparmodelle auch nichts anzubieten.

Zitat von Dberndjt im Beitrag #99

6) Ist das Ziel, sozial ist, was Arbeit schafft, wie Flassbeck verstanden werden könnte oder wollen wir das magische Viereck (streitig pro Land/EU)

Der "Asoziale" Satz kann auf gar keinen Fall auf Flassbeck zurück gehen, nein, anständige Arbeit zu anständigen Preisen, er hat schliesslich bei der UN in der Abteilung Entwicklungsländer gearbeitet. Nicht mal da bringen ABM Stellen irgendetwas.
Ausgeglichen und zwar für jedes Land, weil jedes Land seine Beschäftigten nach der lokalen Produktivität bezahlen muss. Wie das anders sinnvoller weise gehen soll, weiss ich nicht.

Ich würde trotzdem gerne wissen, wie Sarazin begründet, wie eine Währungsunion zu mehr Wettbewerbsfähigkeit führen soll und kann.

Gruss Rauschi

#102 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Dberndjt 16.06.2018 08:54

@Rauschi

1) Die zitierte Statistik ist mir bekannt. Da es aber um das Thema D und den Rest in der EU-28 auf inzwischen 159 Mrd Überschuss resp. Bei derEU-19 um 90 Mrd. geht, hätte ich gerne gewußt wie sich diese Zahlen im Zeitverlauf entwickelt also gegenüber EU-27 bzw. EU-18 entwickelt hat. Der Vorwurf von Flassbeck ist doch, dass D durch Lohndumping die anderen EU-Staaten in eine hoffnungslose Lage gebracht hat. Also möchte ich gerne diese Entwicklung nachvollziehen können. Denn ich weiß auch nicht, inwieweit andere Länder gegen Drittländer verloren haben. Es wird suggeriert: D ist der böse Bube.
2) Prima, dass wir uns da schon mal einig sind. Lohnpolitik alleine wird es nicht richten.
3) Nein, wir werden abgeben müssen. Wir reden nur über das Wie und Wieviel.
4) Dienstleistungen, prima. In welchem Umfang? Es müsste ja etwas sein, was dann an anderer Stelle nicht wegfällt, also was volkswirtschaftlich Zusätzliches und was zu einer nicht nur andersartigen Verwendung des Einkommens führt.
Umwelttechnik als Beispiel. Prima: Wie schaffen wir volkswirtschaftlich Mehrwert?
Sollen wir jetzt beraten alle auf Ökostrom zu setzen, wohl wissend, dass der Gesamtbedarf im angestrebten Umfang nicht zu decken ist (siehe Vortrag von Sinn https://www.youtube.com/watch?v=rV_0uHP3BDY….) weil das Netz sonst zittert.... Und dann noch Elektromobilität oben drauf? Gemach, gemach und mit Sinn und Verstand.

Ich weiß, dass es Ihnen nicht passen wird, aber ich denke tendenziell ist es nicht schlecht und tendenziell richtig davon auszugehen, dass die Gesamtnachfrage (real) nicht steigt sondern nur anders verteilt wird . So ist es auch, wenn wir bei den Autos von klassischer Technik auf Elektromobilität umschalten.

Sollen wir den Fusionsreaktor entwickeln, propagieren? Das wäre im Prinzip so eine
Breakthrough Ideen , wie z.B. Computertechnologie als Beispiel auch, die natürlich auch Arbeitskräfte vernichten, aber dadurch neue Prozesse wirtschaftlicher abzuwickeln gestatten, so dass auch dieser insgesamt günstigeren Input/Output Situation mehr zu verteilen ist. Oder Gebiete , die uns weniger z.B. von außen angreifbar machen.
Aber das zu finden, ist nicht einfach wie wir alle wissen.
Beschäftigung alleine bringt volkswirtschaftlich nichts.
Deswegen hilft es auch nichts, wie Flassbeck es macht, auf die Finanzierungssalden der Wirtschaftssektoren abzuheben. (sie 52:53)

5) Wechselkursanpassung? Also wir sollen den EURO hochtreiben? Wie machen wir das? Durch Erhöhung der Löhne, wir machen uns weniger wettbewerbsfähig, der Euro steigt?
Innerhalb der EU habe ich mit der Idee der sektoralen Lenkung gearbeitet, um einen anderen Ausgleichsmechanismus zu schaffen, um zu helfen. Sie wollen das durch eine koordinierte Lohnpolitik (bedenken Sie: Sie müssen auch die Produktivitätsdifferenz ausgleichen…) ausgleichen.
Lassen wir dies mal so stehen.
6) Ich werde Pkt 6 noch einmal überprüfen, ziehe ihn hier aber aus ökonomischen Gründen hier zurück. Nochmal möchte ich den Vortrag deswegen nicht nochmal anhören und durchsuchen.
.
7) Sarrazin: Ich weiß nicht, wo ich das von ihm behauptet haben soll. Ich sagte nur, dass er auch von Wettbewerbsfähigkeit spricht im Sinne von sich anpassen, reagieren. Auf S. 70 des besagten Büchleins aus 1998 schreibt er unter der dem Kapitel Arbeitskräftemobilität und Lohnflexibilität: Die Folgerung lautet: je größer die strukturellen Ungleichheit zwischen den Teilnehmern ..ist, desto höhere interne Flexibilität bei allen Kosten und Preisen, insbesondere den Lohnkosten, ist notwendig, um negatiove wirtschaftliche Folgen für einzelene Teilnehmer zu vermeiden. Einen Ausgleich können Wanderungen von Arbeit und Kapital im Währungsraum bieten…
Er verteidigt nicht etwas, sondern nennt in dem 1998 Buch nur die Bedingungen, unter denen es funktionieren kann. Sein Buch aus 2012 steht dann unter dem Titel Europa braucht den Euro nicht: Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat.

#103 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Dberndjt 16.06.2018 09:10

Hallo Logos, hier noch zu Ihren Punkten unter # 78
da ich spüre, wie engagiert Sie sind und Ihnen die Themen unter den Nägeln brennen, was ist toll finde und Sie sachlich gefragt haben, will ich gerne antworten.

1)Ich habe inzwischen verstanden, dass Sie die falsche Politik darin sehen, dass die Lohnerhöhungen in Deutschland falsch waren, sie hätten nach der Formel von der EZB angestrebtes Inflationsziel plus Produktivitätszuwachs erfolgen müssen. Habe ich das recht verstanden. Dass die EZB eine unabhängige Institution ist und es keine Vereinbarung der Länder war, ist schon klar. Deutschland hat dem also nicht zugestimmt. Ob das dann so gelaufen wäre, wie Flassbeck meint ist zumindest umstritten. Also Vorsicht mit eklatanten und Beleidigungen an die Adresse Deutschlands .

2) Natürlich geht es nicht um Gefühle. Mir ist schon klar, was passiert ist. Aber wenn ich merke, dass der Konkurrent den Preis nicht erhöht, muss ich mir doch als Unternehmer was einfallen lassen. Lohnzurückhaltung ist dann nur eines der Mittel. Ich bestätige ausdrücklich, dass Lohnzurückhaltung oder Leute freisetzen das letzte Mittel sein sollte. Aber ich kann Ihnen aus eigener Anschauung sagen, dass man manchmal nicht anders übrig bleibt um zu überleben. Über Kostensenkung alleine, rettet man ein Unternehmen nicht.

3) Ihre Anmerkung zum Binnenmarkt ist mir unverständlich. Ja, ich meinte den europäischen Binnenmarkt. Und in dem befinden wir uns nun alle und Alle Länder die drin sind, haben dem zugestimmt und alle – ich kenne Ihren Punkt – haben im Jahre 2000 die Lissabon Strategie verabschiedet.

4) Wenn ich Marktwirtschaft schreiben, denken Sie immer das System der Sozialen Marktwirtschaft mit. Das meine ich. Wenn da Instrumente fehlen oder Player nicht richtig spielen (z. B. Gewerkschaften wie ich hörte), dann muss man das kritisieren. Was man aber kritisieren könnte, ist dass das VW angezeigte nicht von der Regierung mit Autorität vertreten und verkündet wird, wie man das früher, ich denke an Karl Schiller oder Strauß kannte. Man konzentriert sich zu sehr auf die Beseitigung von Schäden, statt auf die Vermeidung..
Im übrigen lässt man es häufig bei „Gutachten, die vorgestellt und weggelegt werden. bewenden. Wir bräuchten eine wirtschaftlich gebildete Persönlichkeit die Richtung gibt, keine Zahlenrechnerei.
Das gilt auch für Europa. Man lässt die Marktwirtschaft laufen, so hat man den Eindruck, ohne zu steuern, reduziert es defakto auf das Geld, was - im doppelten Sinne-nicht ausreicht. Hier ist Verbesserungsbedarf,

5) natürlich können sich Unternehmen in den Konkurs treiben, eine Tendenz zur Monopolisierung ist systemimmanent. Deswegen gibt es Instrumente für Gegenmittel und Gegenmacht zu sorgen, Z.B. das Kartellrecht. Kreativ gedacht, könnte man sich fragen, ob dies nicht auch im Binnenmarkt Anwendung finden könnte. Und ich sehe natürlich das Problem der leeren Regionen. Vor diesem Hintergrund hatte ich ja z.B. ins Gespräch gebracht, ob man den Warenverkehr von Land zu Land in wichtigen Sektoren für das Land steuern könnte (Quotenregelung – hat man im Agrarsektor wohl auch) , Steuerung über MewSt oder ähnliches.). Wenn man das dann aber nimmt, und hier ist die Gefahr, sich auf die faule Haut zu legen, ohne den Willen Konkurrenzfähig zu sein, geht das schief und/oder wird teuer. Ein Akzeptieren des marktwirtschafltichen Systems ist notwendig, solange wir nichts besseres haben. Ein mehr gemeinwirtschaftlich organsiertes System kann man erträumen, ist aber wit weg. Da spielt der Individualismus als Ziel eine ganz große Rolle. Aber das ist der gewollte Trend der Gesellschaft. Neue Ideen kommen auf..

6) Binnenmarkt einerseits, Land anderseits. Wollte sagen: auf der einen Seite behandeln wir Europa als 1 Markt mit der Folge, dass es zwangsläufig zu Ungleichgewichten kommt (wie Thüringen und Bayern), die Einnahmen und Ausgabenströme sind aber lokal.

7) die Themen Kinderarmut etc. sind durchaus geläufig und ein zu lösendes Problem, denke aber, dass Deutschland insgesamt sich sehen lassen kann. Frage: Sollen wir, wenn ja wie, alle Probleme gleichzeitig lösen ? Was hat Priorität?

8) mit System meine ich das Wirtschaftssystem …das wir haben. Nennen Sie mir ein Referenzland. Sagen Sie doch was richtiger und besser wäre, welches Instrument der sozialen Marktwirtschaft funktioniert nicht richtig? Ist es wirklich fundamental falsch? Oder geht es um das Thema Reich/Arm, falsche Verteilung des Volkseinkommens?

9) Wenn Sie sich von meinen Bemerkungen ansonsten intellektuell beleidigt fühlen, bitte ich Sie mich das nicht merken zu lassen, strafen Sie mich durch Nichtbeachtung. Dazu zählt auch:
Einfach nicht lesen

#104 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Dberndjt 16.06.2018 09:28

@Stöcker und andere,

zu Ihrem Beitrag #92
toller Beitrag von Flaig. Danke. Sehr knapp und gut formuliert

Thema Sarrazin: Ich finde es nicht fair, wenn man den Herrn S , wenn es um das Thema Euro geht, dann auf das Thema der Migration und Gesellschaftskritik kommt und ihn so zu diskriminieren versucht. Er hat mehr zu sagen. Aus meiner Sicht sind seine Bücher. Der Euro. Chance und Abenteuer aus 98 sowie aus 2012 Europa braucht den Euro nicht: Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat, sehr lesenswert und sachlich. Ich empfehle es Ansonsten : lesen Sie unbedingt: Der Neue Tugendterror. Man kann sich als Intellektueller ja auch mal leichte Kost reinziehen.
Lg Dbendjt

#105 RE: zu: Die deutsche Falle, Stellungnahme von Heiner Flassbeckt vom 4.6. von Dberndjt 16.06.2018 15:20

@Raushi und andere

Mir ist bewußt geworden, dass wir in unserem Meinungsaustausch einen Punkt nicht richtig thematisiert haben, nämlich die Frage (Sie stillschweigend und ich bin offen gestanden auch nicht gleich drauf gekommen, sonst hätte ich das im Statement #1 schon berücksichtigt). : Es ist nämlich der Zusammenhang zwischen Lohnsenkung und Nachfrage.
Flassbeck stellt in seinem Vortrag (was ja sein Denken widerspiegelt) die rhetorische Frage: Was passiert, wenn die Lohne (er nimmt Griechenland) um 30% gesenkt werden? Und antwortet selbst mit "Dann sinkt die Nachfrage". Wie reagieren die Anbieter darauf? mit weiterer Reduktion...Spirale nach unten...Arbeislosigkeit

Hier wird abstrakt ein Modell genommen von Flassbeck.
Ist das aber wirklich die richtige Logik? auch modellhaft vereinfachend: Gehen wir zunächst davon aus, dass kein Import und Export im Land besteht und es sich um einen lohnintensiven Betrieb handelt . Dann fällt tatsächlich um 30% die Nachfrage weg, aber die Firmen haben weniger Kosten, nämlich 30% weniger Lohnkosten. Wenn sie dann clever sind, werden sie ihren Preis senken. Die nominal niedrigere Nachfrage kann genau soviel Güter kaufen, wie vorher. Tun das alle Anbieter in Griechenland dasselbe, befindet man sich mit niedrigerem Kosten und Preisniveau wieder. realwirtschaftlich ist nichts passiert. Das gleiche gälte umgekehrt bei höheren Löhnen.

Sind aber in Griechenland mehrere Anbieter da, (1+2) dann kann es sein, daß der eine(1) den Preis senkt, der andere (2)aber auf seinem Preisniveau bleib, weil er sich freut, endlich etwas Luft zu haben... Dann wird die Gesamtmenge (zu dem mit dem niedrigseren Preis gehen (1) . 2 verschwindet am Markt. Durch die Mehrmenge bei Anbieter 1 kommt es dann über die economy of scale zu Produktivitätszuwachs, durch gewinnen i

Nehmen wir nun die Beschränkung weg, dass es sich um eine offene Volkswirtschaft handelt (also Handel in Europa z.B. möglich ist und er endlich wieder deutsche Märkte erobern kann etc., erhöht sich die Produktivität, die Mengen in Griechenland steigen , die Beschäftigung steigt.


Insofern ist die Aussage von Flassbeck für mich Blöff! hinsichtlich der Aussage, seine Kollegen verständen das alles nicht. Es scheint mit umgekehrt. Tendenziell ist es egal, ob in einer geschlossenen VW die Preise hoch oder niedrige sind, aber nicht in einer offenen Wettbewerbsgesellschaft.

Nun mag es sein, dass die Unternehmen den Preis im besprochenen Umfang nicht anpassen . Dann sind sie z.B. entweder ohnehin Grenzbetriebe, die keine Chance haben, oder die anderen Aktivitäten Chancen sehen und die Verlagerung vom Lohn in Gewinn zunächst noch gerne mitnehmen, bevor sie aussteigen.. Das wird sehr auf den Einzelfall ankommen.

Gerade bezogen auf Griechenland kann es natürlich sein, dass sie auf Grund der Strukturen und der Produkte, die sie anbieten können, kein Wachstum im Ausland möglich und die Abhängigkeit von Importen bleibt. Da nützt auch keine Kostendrücken. Hier muss auf andere Weise dann geholfen werden.

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